Eppenstein 2010

 

Gemeinsam mit FIALE stellten sich der Burgverein und die Gemeinde Eppenstein die Frage, welche Möglichkeiten es gäbe, die Geschichte der Burg, die Ursprünge der Region und ihrer Bedeutung für die steirische Geschichte näher zu beleuchten. Das erarbeitete Konzept fußt auf einer grundlegenden bauhistorischen Aufnahme des bestehenden kulturhistorisch relevanten Baubestandes und schließt gezielte interdisziplinäre Forschungen und archäologische Bodeneingriffe mit ein. FIALE übernahm die Abwicklung des wissenschaftlichen Projektteils und so kam es, dass bereits im Jahr 2010 das Sanierungsunternehmen im kleinen Rahmen begleitet werden konnte.

 

Schon im Juni 2010 wurde das Eiserne Tor vor seiner Mauersicherung bauhistorisch dokumentiert – die noch erkennbaren bautechnischen Details und die Abarbeitungsspuren am Felsen sollten eine Rekonstruktion des Baukörpers zulassen. Bemerkenswert ist, dass sich an dem, bisher eher als wenig bedeutend angesehenen, Bauteil Konstruktionsdetails (u. a. Balkenlöcher, Fussboden, Holzbretterabdrücke) und die Spuren mindestens einer Umbauphase gut erhalten haben. Auch auf dem anstehenden Felsen, der die südliche Seitenwand des Baus bildet, haben sich Balkenlöcher und eventuell der Abdruck eines Pultdaches erhalten.

 

Im selben Monat wurden Teile des Weges zwischen dem Eisernem Tor und dem Falltor geöffnet, um mehr über die zugrunde liegende Konstruktion zu erfahren. Das Entfernen des umfangreichen Pflanzenbewuchses und ein geringfügiger Bodeneingriff von wenigen Zentimetern änderte die bisherige Vorstellung vom Aussehen des Aufweges gänzlich: Der Boden scheint zum Großteil durch Holzbretter gebildet worden zu sein – zum Teil kann sogar die Bretterbreite aufgrund der Abarbeitungsspuren rekonstruiert werden. Getragen wurde dieser Boden ursprünglich von einer Holzbalkenkonstruktion. Etwa 10 m vor dem Falltor ändert sich die Situation und der Bretterboden wurde durch steinerne Treppenstufen ersetzt, die aus dem anstehenden Felsen herausgearbeitet wurden und so heute noch in situ vorhanden sind.

 

Parallel zu diesen Untersuchungen wurde in Zusammenarbeit mit dem Burgverein begonnen, zwei Räume in der Ringburg zu entschutten. Bis dato konnten im nördlichsten Raum der Ringburg bereits rund 20 m3 Material händisch entfernt werden – das ursprüngliche Bodenniveau wurde bisher allerdings nicht erreicht. Bereits das Versturzmaterial war ungewöhnlich reich an Funden: Neben großen Mengen an Knochen fanden sich zahlreiche Fragmente spätmittelalterlicher/frühneuzeitlicher Bildkacheln unterschiedlicher Darstellung, Machart und Datierung. Auch Keramik- und Metallfunde (u. a. Scharniere, Nägel, Beschläg) sind reichlich vorhanden. Unter den massiven Versturzschichten traten archäologische Schichten zutage, welche mit einer letzten Umbauphase innerhalb der Ringburg im 16. Jahrhundert in Verbindung gebracht werden konnten. Darunter sind weitere Schichten zutage gekommen, die wohl dem Spätmittelalter zugewiesen werden können.  Auch im, an den ersten Raum östlich anschließenden, Raum wurde bereits auf eine Tiefe von etwa 2 m entschuttet. In dieser Tiefe tauchten Reste eines Mörtelestrichbodens auf.

 

Mitte Oktober wurden die Arbeiten aufgrund des nahen Winters eingestellt.

 

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